Kolumne

Also, DAS musst du schon selber wissen!

Wenn es einen Satz gibt, den ich abgrundttief verabscheue, dann ist das „also, DAS musst du schon selber wissen“. Für alle die Schwierigkeiten haben ihn einzuordnen: er kommt meist Hand in Hand mit einer hochgezogenen Augenbraue und zusammengepressten Lippen. Noch schlimmer als dieser unsägliche Satz ist eigentlich nur die unausgesprochene Version davon. Diese Art von ungesagter Unzufriedenheit bei der man sein Gegenüber einfach nur an den Schultern packen und möglichst kräftig schütteln möchte bis dieser endlich den Mund aufmacht (oder eben nicht).

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Ich bin ein Mensch der immer ziemlich direkt ist und (leider) auch gerne mal erst den Mund aufmacht und dann anfängt zu denken. Wenn mir etwas nicht passt, bin ich meist die erste die Änderungsvorschläge macht oder einfach mal auf den Tisch haut. Bis hierhin und nicht weiter würde ich mir gerne auf ein Schild malen und bei Bedarf in die Luft halten. Meist bin ich mit dieser Direktheit, bis auf die obligatorischen Fettnäpfchen (hello, you! Again!), ganz gut gefahren. Aber was macht man, wenn das Gegenüber einfach nicht sagen will wo das Problem ist? Ich beziehe das dann natürlich gleich auf mich und denke „was habe ich denn bloß falsch gemacht?“.

So im Nachhinein betrachtet ist dieses auf sich beziehen immer der falsche Ansatz. In 90% der Fälle hat es gar nichts mit einem selbst zu tun, ja, wir nehmen uns da wohl einfach zu wichtig und in 10% der restlichen Fälle? Nachfragen und wenn keine Antwort kommt am besten drei mal im Kreis drehen, Abrakadabra rufen und das Problem hinter sich lassen. Was hat dieses Helfersyndrom nur an sich? Warum machen wir uns Probleme und wollen sie dann auch noch lösen? Manche Probleme lassen sich nicht von jetzt auf gleich lösen, manche Probleme lösen sich tatsächlich in Luft auf weil sie eben alles, nur keine richtigen Probleme sind. Und wie wird man lockerer und lässt sich von den Empfindlichkeiten anderer nicht verunsichern? Wer eine Lösung hat, nur her damit!

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Eigentlich ist es ja ganz logisch. Wenn mein Gegenüber ein Problem mit etwas hat und es nicht zur Sprache bringt, dann ist das nicht MEIN Problem und ich sollte es auch nicht aus eigenem Antrieb hin zu meinem machen. Ausgenommen ist da natürlich der verschwindend kleine Kreis von Menschen die einem wirklich am Herzen liegen, der inner circle eines jeden Menschen. Wir sind ja keine Insel.

Worauf wollte ich hinaus? Ach richtig, lockerer werden! Nicht alles auf sich beziehen! Einfach mal realisieren, dass sich die Welt manchmal einfach nicht nur um einen selbst dreht und ein Spruch wie „DAS musst du schon selber wissen“ einfach nur das Unvermögen zeigt sich mit den eigenen Problemen auseinander zu setzen. Oft ist das Gegenüber nur der arme Wurm, den es (leider zu unrecht) trifft. Das eigentlich Problem liegt oft auf einer ganz anderen Insel.

Wie haltet Ihr es mit dem auf sich beziehen? Fühlt Ihr Euch immer gleich verantwortlich?

1 Comment

  • Reply
    Blunia
    25. Mai 2015 at 23:22

    Ich hab Deinen Artikel mit großem Interesse gelesen. Jeder hat Sätze, die er nicht gern hört. Mich persönlich kratzt der Satz „Das musst Du schon selbst wissen“ nicht viel. Ich antworte einfach: „Ja! Ich weiß es! – und sag mal wie würdest Du das angehen?“ Wenn dann immer noch nichts kommt, dann kann man auf den Menschen oder dessen Meinung recht gut verzichten. Mich tendieren so orakelde Sätze die einem an den Kopf geworfen werden, in denen Menschen felsenfest und absolut überzeugt wiedergeben, wie es einem zukünftig ergehen wird (z.B. wenn man nichts ändert). Da bin ich platt, vor allem wenn diese Sätze von Menschen kommen, die einen nicht genug kennen um sich ein komplett Urteil erlauben zu können. Widersprechen kann man auch nicht, denn verteidigen ist ja gleichzeitig zugeben… Zudem bin ich leider grüblerisch… Du verstehst was ich meine.
    Ich wünsche Dir eine hoffentlich stressfreie und angenehme Woche.

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