Healthy Lifestyle

Es ist die Nachtigall und nicht die Lerche – basische Ernährung

Smoothie Heidelbeere

Basische Ernährung ist ein Thema über das in den Weiten des Internets so viele falsche Informationen und Halbwahrheiten kursieren, dass einem ganz schwindelig wird. Ich versuche mal etwas Licht in das Thema zu bringen.

Die Fakten

Als Erstes: der pH-Wert in unserem Körper ist je nach Nutzen des Körperteils unterschiedlich. Der pH-Wert unseres Blutes liegt immer (!) zwischen 7,35 und 7,45, ist also leicht basisch, die meisten unserer inneren Organe sind ebenfalls eher basisch. Der ph-Wert unseres Magens hingegen ist mit 1,35 – 3,5 sehr sauer um schädliche Bakterien abtöten zu können, genauso ist unsere Haut aus Schutzgründen mit einem pH-Wert von 4 – 6,5 leicht sauer. (Info: ein pH-Wert von 7 ist neutral, alles darüber basisch, alles darunter sauer). Wenn wir also von einem Säure-Basen Gleichgewicht reden, dann heißt das nicht, dass unser ganzer Körper basisch sein soll – dann wären wir tot! Es heißt einfach, dass jeder Teil unseres Körpers in seinem optimalen ph-Wert liegen soll. Und das geniale ist, unser Körper macht das von ganz alleine! Yay!

Bei der Verdauung unserer Nahrung entstehen Säuren, da unser Körper äußerst intelligent ist hat er natürlich ein eigenes Puffersytem um diese zu neutralisieren. Da das relativ komplex ist hier ein Link für eine verständliche Erläuterung (klick). Die Puffer sind z.B. Natriumhydrogencarbonat oder Mineralien wie Magnesium, Kalium und Calcium. Je mehr Säuren wir zu uns nehmen bzw. produzieren, umso mehr dieser Mineralien werden benötigt um den Säure-Basen-Haushalt im Gleichgewicht zu halten.

Na, schon eine Idee? Richtig! Wenn wir zu viele säurebildende Lebensmittel oder nicht ausreichend basische Puffer zu uns nehmen, stößt das System an seine Grenzen und unser Körper muss vermehrt an seine Reserven gehen und z.B. Calcium aus Knochen und Zähnen lösen um die Säuren zu neutralisieren, was wiederum zur Anfälligkeit von Osteoporose und weniger dramatisch, schlicht zu instabilen Nägeln und Haarausfall führen kann. Glaubt man Naturheilkundlern ist ein Säurenüberschuss im Körper neben dem wissenschaftlich bewiesenen auch noch für viele andere Krankheiten verantwortlich.

„Excess dietary sodium has been shown to result in hypertension and osteoporosis in women (…) Excess dietary protein with high acid renal load may decrease bone density if not buffered by ingestion of supplements or foods that are alkali rich…“  in The Alkaline Diet: Is There Evidence That an Alkaline pH Diet Benefits Health? Journal of Environmental and Public Health, 2011

Welche Lebensmittel sind denn nun basisch und welche bilden Säuren?

Pflanzliche Lebensmittel sind durch Ihren hohen Anteil an organisch gebundenen Mineralstoffen und Spurenelementen basisch, weil sie in der Lage sind Säuren zu puffern. Selbst proteinhaltiges Gemüse kann so unterm Strich basisch wirken – zuviel Protein ist aber immer kritisch weil es unsere Puffersysteme schnell überfordern kann und am längsten benötigt um unseren Verdauungstrakt zu passieren (ich halte persönlich eh nichts von übertriebenem Eiweißkonsum, aber dass ist ein Thema für sich)!

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Besonders basisch sind:

Gurken, Spinat, Sprossen, Weizengras, Möhren, Avocado, Kartoffeln, Tomaten … einfach fast jedes Gemüse. Mandeln, noch leicht grüne Bananen, Zitronen, Grapefruits, Sesam (Tahina!)

Besonders sauer sind:

Zucker, Weißmehl, Fleisch & Wurst, Fisch, Weißmehl, Roggenmehl, Nudeln, Käse, Eier, Erdnüsse, Walnüsse, Alkohol, Sojaprodukte aber auch die viele Obstsorten, besonders solche die stark zuckerhaltig sind

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Soll ich jetzt nur noch Gemüse essen? Nein, denn es wird empfohlen sich an die 80/20 Regel zu halten: 80 % basische und 20% säurebildende Lebensmittel. Am besten sind da natürlich Kohlenhydrate und Proteine die eher geringe Säuren produzieren:

[disclaim]Kohlenhydrate und Proteine die eher geringe Säurebildner sind: Dinkel, Hirse, Haferflocken, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Kichererbsen, Linsen, Kidneybohnen, Süßwasserfisch[/disclaim]

Fällt Euch wieder was auf? Es läuft immer wieder auf das selbe hinaus! Viele der auch in anderen Ernährungsweisen verteufelten Lebensmittel werden auch in der basisch/sauren Betrachtungsweise nicht empfohlen.Viele der „sauren“ Lebensmittel sind z.B. welche mit hohem glykämischen Index, tierische Produkte sind „sauer“, von Zucker, hohem Salzkonsum und Weißmehlprodukten brauchen wir gar nicht erst anfangen zu reden, das sind leere Kalorien… die werden ja eh überall in der Luft zerissen und es gibt ganze Bücherregale voller Literatur. In nicht-wissenschaftlicher Literatur findet man auch immer wieder Zusammenhänge zwischen Übersäuerung und Erkrankungen wie Gicht, Rheuma und vielen anderen entzündlichen Erkrankungen – der springende Punkt dürfte hier aber wohl nicht unbedingt Übersäuerung des Körpers im Verständnis des Säure-Basenhaushalts sein, sondern eher die in tierischen Proteinen enthaltenen entzündungsfördernden Säuren und der überlastete Verdauungsapparat.

Egal wie die gerade diskutierte Ernährungsform heißt: Gemüse und komplexe, nährstoffreiche Kohlenhydrate sind der Schlüssel einer gesunden Lebensweise und unter welchem Deckmantel eine Ernährungsumstellung stattfindet ist ja egal!

Smoothie Heidelbeere

Übrigens: Kaffee führt zwar im Magen zur vermehrten Säurebildung (Magensäure → Sodbrennen), wird aber leicht basisch verstoffwechselt. Ich dachte lange Zeit mein Körper übersäuert total durch Kaffee und daher kommen bei mir vermehrt Unreinheiten. Es liegt aber eher daran, dass Kaffee einen hohen glykämischen Index hat was den Blutzucker immens steigen lässt, was wiederum die Testoteronproduktion anregt → höhere Sebumproduktion → mehr Unreinheiten.

Falls Euch das Thema interessiert und Ihr ein wenig in den Weiten des Internets stöbert, werdet Ihr auf verschiedenste Listen mit basischen Lebensmitteln treffen, z.B. Kaffee ist mal basisch, einmal wieder nicht, viele Obstsorten sind auch mal total übersäuernd und manchmal leicht basisch… wie gesagt, viel Hokus Pokus und wenig stichhaltiges. Beim Thema Obst finde ich die Sichtweise, dass stark zuckerhaltiges Obst in Maßen gegessen werden sollte am sinnvollsten.

Ein sehr nettes Interview zu dem Thema habe ich hier beim standard.at gefunden.

 Was haltet Ihr von dem ganzen Säuren-Basen-Thema?

 ♥

6 Comments

  • Reply
    beautyjungle
    11. Juli 2014 at 19:06

    Wieder großartiger Beitrag.

    Ich lese derzeit Dr. Jacobs Weg und alles läuft in der Tat auf eine Vegane Ernährung hinaus.
    Was mir aber noch nicht klar ist: viele Hülsenfrüchte (und auch bestimmte Gemüsesorten, Fleisch sowieso) enthalten viele Purine, die zu erhöhter Harnsäure führen – geht doch dann auch in die gleiche Richtung?
    Mein Mann darf deswegen zum Beispiel absolut keine Hülsenfrüchte essen und vieles andere auch nicht. Es schränkt eine vegane Ernährung doch extrem ein. Aber ich stehe mich am Anfang und muss viel weiter lesen :-)

    • Reply
      Mrs. Mohntag
      11. Juli 2014 at 19:22

      Ja die Purine… ich kenne jemanden der an Gicht leidet und sofort eine Verschlechterung merkt sobald er Spargel, viel Bier oder Spinat isst, dass Hülsenfrüchte auch viele Purine enthalten wusste ich aber gar nicht… Ich muss sagen, dass ich schon echt viele Hülsenfrüchte esse und sie quasi meine Haupteiweißquelle sind. Ich weiß auch nicht in wie weit eine erhöhte Harnsäure für einen gesunden Menschen problematisch ist, ich hoffe einfach mal, dass die Werte durch eine sonst gesunde (basische) Ernährung stabilisiert werden.
      Wenn man dann liest, dass für Gichtpatienten (mit fällt da grad nichts anderes ein) Milchprodukte als Alternative empfohlen werden frage ich mich allerdings wieviel Ahnung diese Wissenschaftler haben bzw. von wem die bezahlt werden. Milch ist ja alles andere als gesund :(. Bzw. Was kann man überhaupt noch essen? Momentan gibt es im Ernährungsbereich so einen Umbruch, dass es mir manchmal schwerfällt klar im Kopf zu bleiben und nicht sofort auf den nächsten Ernährungs-Zug aufspringen zu wollen.

      Das Dr. Jacobs Buch will ich auch unbedingt noch lesen!

  • Reply
    Gwen
    12. Juli 2014 at 00:21

    Wieder sehr spannender Artikel. Ich habe mich auch mal intensiv mit dem Thema Säure/Basen Bilanz beschäftigt und fand es teilweise sehr schlüssig. Aktuell ernähre ich mich ja nach SlowCarb, wobei das stimmt nicht ganz, momentan mogel ich mehr vor mich hin. Aber das ist das was ich „eigentlich“ gerade mache. Bei Slowcarb werden keine Milch/Milchprodukte, kein Obst, kein Zucker, Mehl, Nudeln gegegessen. Als Kohlenhydratquelle werden Hülsenfrüchte gegessen. Zumindest an 6 Tagen die Woche. Am 7ten Tag darf alles gegessen werden was man will. Soll dafür sorgen dass man dran bleibt und dass der Stoffwechsel nicht auf Sparflamme schaltet.
    Ich komme generell sehr gut klar damit auf Nudeln und Brot zu verzichten. Auch Zucker ist meistens kein Problem. Obst hat mir zuletzt aber schon gefehlt. Mit Milch ist es bei mir sehr Zwiegespalten. Auf Milch als solches kann ich gut verzichten, für Schlagsahne und Butter jedoch habe ich eine Schwäche.

    Mein absolutes Optimum habe ich glaube ich noch nicht gefunden. Ich bemerke aber immer wieder, dass es mir besonders gut tut wenn ich viel Gemüse esse. Das ist also auf jeden Fall etwas dass ich gern beibehalten bzw ausbauen will. Und alles andere findet sich hoffentlich auch noch.

    Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf weitere Beiträge von dir zu Thema Healthy Living.

  • Reply
    shalely
    12. Juli 2014 at 03:09

    Ich habe bis jetzt nur am Rande von dem Thema gehört und finde deinen Artikel daher sehr spannend und informativ. Danke für den kleinen Einblick in das Thema.

  • Reply
    strawberrymouse
    12. Juli 2014 at 11:09

    Oh Gott, ich glaube ich muss weniger Kaffee trinken…^^
    Vielen Dank für die Einführung!

  • Reply
    Neues Jahr, gleicher Vorsatz - #fitdurch2015 - Gwenstical
    9. Januar 2015 at 12:02

    […] Tipps und Unterhaltungen haben sich auf Twitter und Instagram schon mit Mrs Mohntag und Beautyjungle ergeben. Danke dafür! Auf Instagram folge ich außerdem schon lange […]

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